Im ersten Fall haben kürzeste Umstellzeiten Priorität, im zweiten sind es einfachste Bedienung und Fehlervermeidung.
In jüngster Zeit werden die Qualitätsvorgaben der Auftraggeber an eine Strickerei immer präziser und damit auch die Reproduzierbarkeit bei Wiederholungsaufträgen immer wichtiger.
Wer Qualität in Menge strickt, hat vor allem die Garnkosten im Auge, wer sich auf Mode spezialisiert und damit kleinere Chargen strickt und zwangsweise die Muster öfters wechselt, braucht einfachste und zuverlässige Musterumstellungsmöglichkeiten. Diese wenigen Beispiele zeigen auf, wie unter-schiedlich die Problemstellungen in Rundstrickereien sind und wie daraus auch unterschiedlichste An-forderungen an den Hersteller von Rundstrick-maschinen herangetragen werden. Diese Anforderungen müssen zusammengeführt und in übergreifende Lösungen umgesetzt werden, um Rundstrickmaschinen wo immer dies möglich ist zu standardisieren.
Automatisierung vereinfacht.
Nach der industriellen Revolution Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, die den Menschen vor allem die körperliche Arbeit erleichterte, geht in der Folge die Automatisierung in den Bereich Vereinfachung in der Handhabung. Einfacher ist hier immer auch schneller und vor allem weniger fehleranfällig. Die Automatisierung bei Rundstrickmaschinen kann somit viele Forderungen gleichzeitig erfüllen:
Garantierte Qualität gemäß Kundenforderung.
Optimierter Garnverbrauch.
Geringere Personalkosten.
Weniger Fehlermöglichkeiten.
Reproduzierbarkeit bei Wiederholungsaufträgen.
Höhere Maschinennutzung.
In der Summe zeigen diese Vorteile, dass durch Automatisierung Aufträge zuverlässiger durch die Produktion laufen, präziser kalkulierbar sind und so letztlich die Wirtschaftlichkeit positiv beeinflussen.
Die Elektronik steuert längst!
Wenn Rundstrickmaschinen in Verbindung mit Elektronik genannt werden, denkt man zunächst an die Nadelauswahl. Diese wird später behandelt werden. Eine moderne Rundstrickmaschine wird heute schon weitgehend über Schaltkasten mit Prozessorsteuerung und Bedienerdisplay gesteuert. Komponenten wie Fournisseure, Abzugeinstellungen, Öler etc. sind bereits integriert und zentral einstellbar über bedienerfreundliche Displaytechnik mit Symbolen und verschiedenen Sprachen zur Wahl. Elektronisch gesteuerte Überwachungskomponenten von der Garnlieferung über den Fadeneinlauf bis zum Gestrickschlauch sorgen dafür, dass Fehler sofort erkannt und die Maschine automatisch gestoppt wird.
Insofern hat auch bei sogenannten mechanischen Rundstrickmaschinen die Elektronik längst ihren Einzug gehalten und vor allem sie hat sich hervorragend bewährt.
Eine Neuentwicklung von Mayer & Cie. erstmals gezeigt auf der ITMA 1999 in Paris ist MCTmatic. Diese Idee zwischenzeitlich serienreif und in der Praxis erprobt und bewährt automatisiert eine Vielzahl von Einstellungen.
MCTmatic automatisiert Einstellungen einfach und schnell.
Die Möglichkeit, bestimmte Einstellungen an der Rundstrickmaschine zu automatisieren, spart Zeit, reduziert Fehler (vor allem Bedienerfehler) und bringt mehr Gewinn bei garantierter Qualität. Die Einstellungen sind in der Datenbank der Maschine speicherbar und lassen sich bei Bedarf wieder abrufen.
Was kann MCTmatic?
Automatische Berechnung der Warenabzugsgeschwindigkeit durch einfache Eingabe am Display von
strickenden Systemen, Systemen pro Maschenreihe
sowie Maschen pro cm und Dehnung.
Automatisch gesteuerter Fadeneinlauf durch Ein
gabe von Fadeneinlauf pro cm.
Automatische Zentralhöhenverstellung durch Eingabe
am Display. Die Schlossplattenhöhe verfährt elektronisch bis auf ein hundertstel Millimeter genau.
Automatische Kontrolle von Fadeneinlauf und Faden
spannung durch Eingabe der Toleranzwerte am
Display
Was bringt MCTmatic?
Mit MCTmatic ist eine gleichbleibende Gestrickqualität praktisch von der ersten bis zur letzten Maschinenumdrehung sichergestellt. Einstellzeiten werden reduziert und damit produktive Maschinenlaufzeiten erhöht. Wesentlich sind jedoch die Garneinsparung durch optimierten Garnverbrauch, exakt reproduzierbare Maschenlängen und Vermeidung von 2. WahlQualität. So bedeutet z.B. die Abweichung von nur einem Teilstrich am Qualitätsrad bei herkömmlichen Maschinen mehrere Kilogramm Garnverlust pro Tag Aufträge lassen sich mit MCTmatic exakt auf die vom Kunden geforderte Qualität einstellen und bei Wiederholungsaufträgen durch Aufruf der Daten aus der Datenbank auch sofort in identischer Qualität wieder stricken.
Elektronik in der Musterung.
Längst hat der PC auch in der Muster- und Produktionsvorbereitung seinen Einzug gehalten. Über Scanner oder Digitalkamera lassen sich Muster in das System einspielen, über Tastatur und entsprechende Software können auch Muster direkt aufgebaut werden. Mit Hilfe der Mustervorbereitung am PC und entsprechenden Softwareprogrammen lassen sich Muster erstellen, erfassen und archivieren. Darüber hinaus werden Arbeits- und Maschinenprogramme erstellt und gespeichert. Diese werden online auf die Rundstrickmaschine übertragen. So lassen sich Muster nicht nur einfach und schnell erstellen, sondern auch sekundenschnell auf die Maschine übertragen.
Bei PIC 3 von Mayer & Cie. werden selbst Ringelmuster mit mehr als 4 Farben unterstützt. Die drei Komponenten Muster-Editor, Rapport-Editor und Ringel-Editor sind bedienerfreundlich und in verschiedensten Sprachen erhältlich.
Mit dem Muster-Editor werden Mustervorlagen z.B. vom Scanner übernommen und bearbeitet. Der Rapport-Editor dient der Programmierung der Maschinenparameter mit Mustern bis zu 16 Farben, wobei bis zu 8 verschiedene Musterbereiche definiert und wiederholt gestrickt werden können. Die Musterhöhe ist unabhängig von den Maschinenumdrehungen.
Der Ringel-Editor berechnet auf der Basis des Muster-Editors alle Daten für die Ringelsteuerung automatisch. Dabei realisiert PIC 3 selbst beim Einsatz von 4-Farben-Ringelapparaten 6 und mehr Farben ohne Rapporteinschränkungen.
Eine besondere Hardware ist für PIC 3 nicht erforderlich. Alle Geräte, die von Windows 95, Windows 98 oder Windows NT unterstützt werden, können eingesetzt werden.
Vollelektronisch stricken.
Mit PIC 3 erstellte Muster werden online in Sekunden in alle elektronisch gesteuerten Mayer & Cie. Rund-strickmaschinen übertragen egal ab Bindungs-, Jacquard-, Ringel-, Transfer- oder Plüschmaschinen, sowohl in Single wie in Double. Damit lassen sich unproduktive Umstellzeiten durch rentable Produktionszeiten ersetzen. Bei der heute schnell wechselnden und auch sehr breit gefächerten Mode werden so auch kleine Chargen interessant und wirtschaftlich.
Elektronisch gesteuerte Einzelnadelauswahl an Rundstrickmaschinen.
Flexibel und schnell mustern über die individuelle Nadelauswahl der elektronischen Steuerung ist für modisch orientierte Strickereien heute selbstverständlich. Wo immer ein Musterwechsel schnell und vor allem auch zuverlässig erfolgen soll, spielt die Elektronik eine entscheidende Rolle.
Erste Ansätze elektronisch gesteuerter Nadeln gibt es seit 1963. Besonders bewährt hat sich die elektronische Einzelnadelauswahl von Mayer & Cie. mit elektronisch gesteuerten Permanent-Magneten. Bei einem Stromimpuls wird eine Steuerplatine vom Magnet freigegeben und die zugeordnete Zylindernadel geht in die Arbeitsstellung. Erfolgt kein Stromimpuls
bleibt die Steuerplatine am Magnet haften und die zugeordnete Nadel bleibt in Rundlaufstellung. Die Zylindernadeln werden automatisch, entsprechend dem Muster, in den Positionen Rundlauf-Stricken und Rundlauf-Fang geführt. Für letzteres hat das Zylinderschloss entsprechende Schalt-Schlossteile.
Der Vorteil dieses Systems der elektronischen Einzelnadelauswahl liegt in der Robustheit und in der hohen Betriebssicherheit, weil mechanische Teile und Bewegungen auf ein Minimum reduziert sind. Lediglich Federstifte sichern die Nadeln gegen unerwünschte Bewegungen. Es ist das am schnellsten arbeitende und extrem langlebige System ohne Wartungsaufwand und völlig unempfindlich gegen Verschmutzungen durch Flaum oder Öl. Die elektronische Einzelnadelauswahl von Mayer & Cie. arbeitet sowohl bei Single- wie Double-Maschinen mit nur einem Magneten pro System. Bei Double-Jacquard-Maschinen mit voller 3-Wege-Technik kommen zwei Magnete pro System zum Einsatz. Diese bereits zigtausendfach erprobte Lösung überzeugt durch hohe Zuverlässigkeit und einfache Handhabung.
Vollelektronische Einzelnadelauswahl auch bei Rippnadeln.
Auf der ITMA 99 in Paris zeigte Mayer & Cie. mit der OVJA 1.6 EE eine Maschine für beidseitigen Voll-jacquard in Design und Struktur, wobei sowohl die Zylindernadeln wie die Rippnadeln elektronisch mustern. Mit dieser elektronischen Lösung im Zylinder- und Rippschloss lässt sich Rechts-/Rechts-Jacquard in allen denkbaren Bindungen und Mustern stricken, denn die Rippnadeln mustern voll mit. Dabei ist der Umstellaufwand minimal.
Elektronisch umstellen mechanisch stricken.
Um das Thema Automatisierung und Elektronik zu vervollständigen, ist der sogenannte Mini-Jacquard auf Knopfdruck noch zu betrachten.
Genau wie bei der Vollelektronik werden die Muster über Computer aufbereitet. Jedes System an der Rundstrickmaschine, z.B. bei der OV 2.4 SE (3WT) von Mayer & Cie., ist mit einem Selektierapparat ausgestattet. Zur Musterumstellung wird einfach ein Modul am Selektierapparat fixiert und die Systemzahl am Display des Moduls aufgerufen. Auf Knopfdruck werden alle Selektionen automatisch eingestellt. Dabei werden die Musterinformationen über Laptop direkt in die Selektiersteuerung eingegeben. Gestrickt wird
dann wie bei der klassischen mechanischen Rundstrickmaschine.
Die Muster lassen sich auf Datenträger speichern und so bei mehreren Maschinen selbst an unterschiedlichen Orten eingeben. Auch Wiederholungsaufträge sind so schnell gemustert.
Diese Lösung hat den Vorteil, dass die oft fehlerbehaftete manuelle Musterumstellung durch die Elektronik ersetzt wird und die Umstellung nicht nur beschleunigt sondern auch absolut fehlerfrei erfolgen kann.
Schlussbetrachtung.
Wie in vielen weiteren Bereichen auch, muss der Grad der Automatisierung und die Entscheidung für elektronisches Mustern individuell getroffen werden. Erhöhtes Kostendenken und damit verbundene Einsparungen in der Lagerbevorratung machen den Faktor Zeit durch die Forderung nach Just-in-Time-Lieferungen zu einem entscheidenden Argument für die Lieferantenauswahl Der Trend geht auch eindeutig zu höheren Qualitätsansprüchen der Konfektionäre an die Ware und verstärkt werden exakte Qualitäts-definitionen zum Gegenstand eines Auftrages. Hier ist die Automatisierung natürlich eine enorme Hilfe ja Garantie, dass die Kundenerwartungen auch voll erfüllt werden.
Teil- oder vollelektronische Rundstrickmaschinen sind natürlich aufgrund ihrer kurzen Umstellzeiten immer dort besonders rentabel, wo Mode gefordert ist. Doch zur Rationalisierung und Steigerung der Produktivität wird auch hier der Faktor Mensch mit seinem Fehlerrisiko immer wichtiger für die richtige Kaufentscheidung. Automatisierung und Elektronik vereinfachen immer Einstellungen und Bedienung, wodurch die Zuverlässigkeit gesteigert und das Fehlerrisiko minimiert werden. Diese Tatsache wirkt sich in einer Strickerei gravierend auf den Kosten-Faktor Nr. 1 die Garnkosten aus. Allein die mit moderner Hightech hier möglichen Einsparungen sind im Verhältnis zu den höheren Investitionskosten so groß, dass die Amortisation dieser Mehrinvestition in kurzer Zeit garantiert ist.
Und noch ein Faktor ist wichtig: Die wachsende Bedeutung der Betriebsdatenerfassung, die Vernetzung der Rundstrickmaschinen und eine damit verbundene zentrale Steuerung und Überwachung setzt entsprechende Automatisierungsgrade der Maschinen logischerweise voraus.
Im Zeitalter der Kommunikation werden die Themen Diagnosesysteme, Ferndiagnosen via Internet, elektronischer Ersatzteilkatalog mit integrierter Bestellmöglichkeit, um nur einige zu nennen, den Einsatz der Elektronik noch mehr beschleunigen.
Automatisierung und Elektronik werden also zwangsweise aus Gründen der Zeitkontrolle, der Qualitätssicherung und Kundenzufriedenheit wie der Produktivität und Wirtschaftlichkeit mit notwendigen Betriebsdatenerfassungen und Diagnosemöglichkeiten verstärkt Einzug in Rundstrickereien halten.